Bearbeitet am 19. Juni 2005     

E 10 134 kam nach Uelzen zum Nikolaustag

Die erquickliche Geschichte um Würfelzucker und eine Frankfurter E-Lok

U e 1 z e n. Würdige Herren ohne Frack und Zylinder, aber dafür um so besser gelaunt und vor allem mit Blumen "bewaffnet", trafen sich gestern vormittag auf dem Uelzener Bahnhof. 

Zum Eilzug 571 überschritten sie eigentlich regelwidrig, aber von einem Bahnbeamten ab­gesichert, die Gleise. Neugierige - und deren gab es nicht wenige - mochten den Empfang eines hohen Würdenträgers vermuten. Allein, der Aufwand galt lediglich einer dunkelblauen E-Lok mit der "folgenschweren" Bauserien-Nummer E 10 134.

Um 10.40 Uhr war es soweit, der lang er­sehnte Zug lief ein, im Vorspann die 1957 ge­baute Schnellzuglok, die in Uelzen abgehängt wurde. Der Tusch und die Blasmusik fielen zwar aus, dafür gab es aber viel zu lachen, als Bahnhofswirt Karl Knefelkamp dem Lok­führer Walter Ullrich einen großen Strauß Gladiolen überreichte. 

Wofür? Ja, das ist eigentlich eine kuriose Geschichte und begann schon vor etwa zwei Jahren, als der Bahnhofswirt das Motiv auf der Verpackung seines Kaffeezuckers wechselte: Für die Dampflok kam aus Anlass der Elektrifizierung der Nord-Süd-Strecke eine E-Lok mit der Nummer E10 134.

Gute Bekannte, alle bei der Bundesbahn beschäftigt, sprachen Karl Knefelkamp an, wie er denn zu der Nummer E 10 134 gekommen sei. Der traditionsbewusste Bahnhofswirt, dessen Großväter schon als Lokführer bei der Reichsbahn und sogar bei der Western Railway in St. Louis fuhren, versprach den "Stammtischbrüdern": "Wenn ihr es schafft, dass diese Lok, wenn es sie gibt, was ich ja nicht glaube, nach Uelzen kommt, dann machen wir einen schönen Vormittag daraus!" 

Das ließ man sich natürlich nicht zweimal sagen. Nachforschungen wurden angestellt, die Lok endlich nach manchen Mühen in Frankfurt entdeckt. Sie verkehrt von dort aus täglich im süddeutschen Raum. Schließlich war es erreicht: Mit dem Segen der Bundesbahndirektion versehen wurde E10 134 für einen Tag in den Norden abge­ordnet. Sie zog bis Hannover einen D-Zug und kam von dort mit Vertretern des Bundesbahnbetriebswerkes als Vorspannlok für den Eil­zug nach Uelzen. 

Da stand sie nun, die "Würfelzucker-Lok", die einer frohen Runde vergnügter Männer eine willkommene Nikolaus-Überraschung war.

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Kein Zweifel, die E10 134 existiert. Rechts Hotelier Knefelkamp, in der Mitte Lokführer Ullrich und links das Empfangskomitee. Aufnahme Goes

Quelle: AZ